Wer heute über die Situation der Frauen in Afghanistan nichts mehr hören will, weil sie als Argument für den Fortbestand der militärischen Mission immer wieder genannt wird, missachtet die Fakten und muss sich eine eurozentristische Arroganz vorwerfen lassen, bei der Frauenrechte vom Himmel fallen.
“Der Krieg gegen die Taliban ist militärisch nicht zu gewinnen”, zitiert Arno Widmann in seinem Beitrag vom 8. Oktober in dieser Zeitung den UN-Sonderbeauftragten für Afghanistan Kai Eide. Diese Erkenntnis ist ebenso richtig wie banal. Daher muss im Zentrum des deutschen Engagements in Afghanistan der Wiederaufbau stehen. Wir müssen die Köpfe und Herzen der Menschen gewinnen, keine neuen Kriege. Was wir derzeit erleben ist, dass die heute aufgebaute Mädchen-Schule morgen von den Taliban wieder abgebrannt wird, weil die afghanische Staatlichkeit sie nicht schützen kann. Ziviler Aufbau ist der einzige Schlüssel zum Erfolg in Afghanistan. Aber ihn wird es ohne militärische Absicherung derzeit nun einmal nicht geben.
Wer also fordert “zieht die internationalen Truppen ab und schickt mehr zivile Helfer ins Land”, der argumentiert naiv, mehr noch zynisch. Die zivilen Aufbauhelfer werden nicht kommen, wenn sie um Leib und Leben fürchten müssen. Fast alle Aufbaumaßnahmen würden zum Erliegen kommen, das versicherten mir alle Gesprächspartner auf meiner Reise in Afghanistan. Und mehr noch: Ohne internationale Truppen erwartet die Afghanen der nächste Bürgerkrieg.